Bis zuletzt wurde verhandelt, nun hat das Bundeskabinett die Pflegereform verabschiedet: Ein "Stabilisierungspaket für die Pflege". Eine Kommission soll sich außerdem mit einer strukturellen Reform der Pflegeversicherung beschäftigen.
Die gesetzliche Pflegeversicherung steckt tief in den roten Zahlen. Laut dem Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung (GKV) könnte ihr ohne weitere Zuschüsse schon ab Oktober die Zahlungsunfähigkeit drohen.
Die aktuellen Diskussionen verunsicherten Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, sagte Daria Kägler aus Bad Oldesloe auf NDR Info. Sie ist Pflegeberaterin und pflegende Mutter. Es gehe die Angst vor Kürzungen um.
Der Mediziner und Gesundheitsexperte Clemens Becker von der Universität Heidelberg fordert grundlegendere Reformen im System. In Norwegen, Kanada und Frankreich gebe es gute Ansätze, die man ins deutsche System übernehmen könne. Er kritisierte die Pflegereform 2017: Viel mehr Menschen würden Leistungen beziehen, die Versorgungsqualität habe sich dadurch nicht verbessert. Aber die Kosten seien explodiert. Würde der Status quo fortgeschrieben, kämen wir "ab 2035 bis 2050 in eine Situation, die aus gesellschaftlicher Perspektive untragbar ist", sagte er auf NDR Info.
weitere Informationen:
Bundeskabinett einigt sich auf Pflegereform
https://www.tagesschau.de/eilmeldung/pflegereform-kabinett-100.htmlReformbedarf: Was bei der Pflegeversicherung im Argen liegt
https://www.ndr.de/audio-3507206.htmlMediziner Becker zur Pflege: System grundsätzlich überdenken
https://www.ndr.de/audio-3507360.htmlPflegeberaterin: Pflegereform ist nur ein Kürzungspaket
https://www.ndr.de/audio-3507414.htmlAlle Folgen von “NDR Info Thema” auch in ARD-Sounds
https://www.ardsounds.de/sendung/urn:ard:show:193cce6e1dd33420/