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KI-Neandertaler mit Malcolm Werchota

KI-Neandertaler mit Malcolm Werchota

#30 - Ein Paper wird zum Agenten: 74 Prozent laufen ohne Menschen. Hongkong baut ein Gehirn für die ganze Stadt. Und Singapur schenkt jedem ChatGPT Plus.

KI-Neandertaler mit Malcolm Werchota · 17. Sept. 2026 · 28:56

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Ein wissenschaftliches Paper ist kein Dokument mehr, das man liest — es wird zum Agenten, den man arbeiten lässt. Bei 74 von 100 Papers lief das komplett ohne menschlichen Eingriff. Hongkong baut ein Gehirn für die gesamte Stadt. Und Singapur schenkt jedem, der will, sechs Monate ChatGPT Plus und Google AI Pro.


Heute aus Bregenz, etwas leiser als sonst — der Kleine schläft. Wir gehen nach Stanford, Hongkong, Singapur, Indien, Argentinien und Japan. Der Faden darunter: Staaten und Städte warten nicht mehr darauf, dass Firmen ihren Leuten KI beibringen. Sie machen es selbst.


In dieser Folge:

🌑 Das Paper, das zum Agenten wird (01:45) — die eigentliche Top-Geschichte des Tages, und sie stand nicht mal im Intro. Das Framework heißt Paper-to-Agent, von Zhang Cheng Miao und Kollegen in Stanford, veröffentlicht in Nature. Es nimmt ein Manuskript, holt sich die Datensätze, die Supplemente und den Code, und baut daraus einen MCP-Server mit Werkzeugen. Getestet an 100 Computational-Biology-Papers: bei 74 % lief die Agentifizierung vollständig ohne menschlichen Eingriff, mit fast 600 vorgeschlagenen Werkzeugen. Die übrigen 26 scheiterten daran, dass im Paper Daten, Code oder Modelle nicht sauber angegeben waren. Der AlphaGenome-Agent entstand laut Paper in rund 45 Minuten für etwa 14 Dollar — dafür bekommt man im Radisson Blu am Flughafen Zürich nicht mal einen Cocktail. Und jetzt denkt an eure Prozessdokumentation für die Monatsabrechnung. Oder an ein Servicehandbuch, das ihr direkt an die Maschine hängt.

🌑 Hongkong baut ein Gehirn für die ganze Stadt (08:07) — Regierungschef John Lee kündigte am 16. September ein integriertes AI City Brain an. Erste Phase: eine Taskforce, und die digitale Infrastruktur der Notfalldienste zusammenhängen, damit Echtzeitinformation zwischen den Behörden fließt. Noch ein Plan, keine fertige Plattform. Aber die Idee ist bestechend: Bei einem Taifun schickst du nicht 30 getrennte Signale an Verkehr, Bauarbeiten und Einsatzkräfte — es gibt einen Ort, der koordiniert. In China läuft das seit Jahren: Hangzhou war Alibabas erstes großes City-Brain-Projekt, mit schnellerem Verkehr, weniger Stau, weniger Unfällen. Und dann fragt euch: Sieht euer SAP gleichzeitig die Maschine, den verspäteten LKW und den verärgerten Kunden? Eben.

🌑 Singapur verschenkt ChatGPT Plus (12:40) — Premierminister Lawrence Wong stellte am 16. September das SkillsFuture-Portal-Programm vor: kostenloser Zugang zu ChatGPT Plus und Google AI Pro für sechs Monate, plus 200 KI-Kurse. Nicht eine Innovationsplattform — der Staat subventioniert das direkt für jeden, der will. Erinnert euch daran, was Singapur schon vorher gemacht hat: rund 3.000 Dollar pro Monat, drei Jahre lang, damit Menschen sich mit KI auseinandersetzen. Im DACH-Raum kann das keine Firma stemmen und kein Staat. Singapur macht es trotzdem, weil sie die Fähigkeiten aufbauen, die sie in zwei, drei Jahren brauchen.

🌑 Indien: bezahlt wird nur noch das Ergebnis (16:10) — erst ersetzte KI die Callcenter-Mitarbeiter, jetzt nutzen es alle und der Vorteil ist weg. Also dreht das indische Voice-AI-Unternehmen SquadStack das Preismodell um: minimale Grundgebühr, bezahlt wird das Outcome — der Kauf, die gelöste Beschwerde. Ein KI-Agent arbeitet 24 Stunden, spricht 192 Sprachen und hängt auf 20 Leitungen gleichzeitig. Und genau da fehlt es bei euch: Ihr gebt den Leuten KI und sagt "nutzt das mal". Niemand sagt: Dieser Prozess dauert heute fünf Stunden, ich erwarte fünf Minuten. Nicht als Druck — damit vier Stunden für etwas Interessanteres frei werden.

🌑 Gesichtserkennung für Reiskörner (18:57) — Argentiniens Saatgutinstitut INASE hat mit der KI-Firma MachVision eine technische Kooperation geschlossen: ein neuronales Netz, trainiert auf Tausenden Bildern von Reiskörnern, das die Sorte bestimmt. Für mich sehen zwei Säcke Reis gleich aus. Für einen Saatgutprüfer sind das verschiedene Sorten, verschiedene Preise und am Ende verschiedene Rechtspositionen — jemand behauptet eine teure Sorte, und es ist eine andere. Für Weizen und Braugerste gibt es solche optischen Verfahren längst; Reis ist der schwierige Fall. Genau deshalb lohnt es sich. Und wenn ihr Holz, Metallteile oder Obst klassifiziert: dasselbe Prinzip.

🌑 Der Essiggurken-Zitronen-Kuchen (22:57) — die wichtigste KI-Geschichte des Tages. Ein japanischer Convenience-Store fragte eine KI, was Menschen nicht vorschlagen würden, und verkauft das Ergebnis in 4.700 Filialen. Der wirklich clevere Teil ist kontraintuitiv: In der ersten Runde ließen sie historische Verkaufs- und Marktdaten bewusst weg, damit nicht wieder der Durchschnitt der Vergangenheit herauskommt — rund 100 äußerst seltsame Kombinationen. Erst in der zweiten Runde kamen Kosten- und Produktionsdaten dazu, in der dritten wurde gebacken, gerochen und probiert. Ja, es ist auch ein Marketing-Gag. Es ist trotzdem ein besserer Prozess als eurer.

🌑 Abmoderation (26:13) — wer am Ende entscheidet, und warum dieser Trend zu uns überschwappen wird.


Bleibt glücklich. Bleibt chaotisch.

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