KI-Neandertaler mit Malcolm Werchota
KI-Neandertaler mit Malcolm Werchota · 28. Sept. 2026 · 22:09
In der Podli-App hören 🎧
Folge deinen Lieblingspodcasts, höre offline und im Auto mit CarPlay und Android Auto und mach immer dort weiter, wo du warst. Kostenlos ausprobieren.
Eine Strafanzeige umfasst plötzlich 55 Seiten. Nicht weil mehr passiert ist, sondern weil sie nichts mehr kostet — und am Ende zahlst du sie mit deinen Steuern.
Anderes Format heute: weniger Musik, mehr Stimme. Sechs Geschichten von Solothurn über Genf und Lwiw bis in die theoretische Physik.
In dieser Folge:
🌑 Die Schweiz zahlt am Ende (02:29) — Staatsanwälte ertrinken in Anzeigen. Lukas Büttinger von der Oberstaatsanwaltschaft Solothurn erzählt dem SRF von Anzeigen mit 55 Seiten und dutzenden Beweisanträgen, das meiste fürs Verfahren völlig irrelevant. Früher schrieb das ein Rechtsanwalt, das kostete, also überlegtest du es dir. Es hat schon einen Namen: Agentic Flooding. Auch in Deutschland — das Berliner Arbeitsgericht führt allein 2026 rund 16.000 Verfahren.
🌑 USA und China reden wieder (05:30) — nach dem Treffen von Trump und Xi in Washington ist die KI-Hotline endlich vereinbart: ein direkter Kanal für KI-Vorfälle, plus ein US-China-Superintelligence-Dialog, der schon im November startet. Trump will Artificial Intelligence in Superintelligence umbenennen, und seitdem explodieren die .si-Domainanfragen in Slowenien. Bei den Chips bleibt es hart. Aber Xi sagt, wir sollten Partner sein statt Feinde — so einen Satz hat man in sechzig Jahren nicht gehört.
🌑 Killer-Roboter und das Papier (08:37) — 130 Länder haben am 8. September in Genf etwas unterschrieben, das nach einem Verbot autonomer Waffen klang. Die Washington Post hat den letzten Verhandlungstag rekonstruiert: in den letzten 15 Stunden saßen US- und russische Diplomaten mit je rund zehn Rechtsexperten da, mehr als alle anderen Länder zusammen, und strichen. "Predictable and reliable" flog raus. Übrig blieb, dass menschliche Kontrolle nötig sei, damit das Völkerrecht eingehalten wird. Nicole Van Ruyen von Stop Killer Robots wirft beiden vor, den Text bewusst geschwächt zu haben.
🌑 Die Ukraine macht ernst (12:31) — Mykhailo Fedorov, der Mann hinter der Drohnenarmee, hat auf der IT-Arena in Lwiw die Armee der Roboter angekündigt: Hunde mit Kalaschnikow auf dem Rücken, spinnengroße Roboter, kugelförmige All-Terrain-Systeme. In sechs Monaten soll alles tödlich sein. Nur: diese Hunde brauchen heute noch einen Bediener und halten 20 bis 30 Minuten durch. In Genf sagt man, ein Mensch müsse das Ziel bestätigen. In Lwiw sagt man etwas anderes.
🌑 Chinas Forschende gehen heim (15:02) — Carnegie China hat den Karriereweg von über 10.000 führenden KI-Forschenden untersucht. 2022 arbeiteten 46 Prozent in den USA und 30 Prozent in China. 2025 sind es 40 Prozent in China und 30 Prozent in den USA. Und 57 Prozent stammen ursprünglich aus China, nur 13 Prozent aus den USA. Kevin Zhu bringt es auf den Punkt: China bildet aus, Amerika zieht fürs Studium an — und nach dem Studium gehen sie zurück.
🌑 Die Dominos fallen (17:40) — Anthropic bestätigt, dass Claude einen Rekord in der theoretischen Physik gebrochen hat. Der menschliche Rekord von 2023 lag bei acht Schleifen, gehalten von einem US-Physiklabor. Claude schaffte neun. In einer Woche, für 1.000 bis 2.000 Dollar an Tokens statt der Gehälter teurer Physiker, mit einer bekannten Methode. Der Physiker Kyle Kramer schrieb auf X, sein Team sei von Anthropic gescooped worden. Das kommt jetzt in der Chemie, der Mathematik, der Krebsforschung — und die meisten Forschenden haben es noch nicht gecheckt.
🧵 Der rote Faden (19:58) — wenn eine Handlung nichts mehr kostet, verschwindet die Bremse, die vorher niemand als Bremse erkannt hat. Bei der Anzeige. Beim Völkerrechtstext. Beim Physik-Paper. Die Frage ist jedes Mal, wer die Rechnung am Ende bezahlt.
📱 Schreib Malcolm auf WhatsApp/Telegram/Signal: +43 676 6144 904
KI-Neandertaler — KI-News für Menschen, nicht für Roboter. Bleib neugierig. Bleib menschlich.
Folgen: KI-Neandertaler mit Malcolm Werchota