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Deportation, Verlust & Neubeginn

o[s]tklick - Podcast · 27. Aug. 2026 · 1:25:10

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Eine der größten Gruppen zugewanderter Menschen in Deutschland stammt aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Obwohl die Gründe für ihre Zuwanderung vielfältig sind, ähneln sich die kollektiven Erinnerungen vieler Familien. Während der NS-Zeit wurden ihre Eltern und Großeltern unter Stalin aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit pauschal der Zusammenarbeit mit der deutschen Wehrmacht verdächtigt und nach Zentralasien sowie Sibirien deportiert. Unter den insgesamt 2,2 Millionen zwischen 1941 und 1944 verschleppten Sowjetbürger:innen befanden sich neben Sowjetdeutschen auch Griech:innen, Karatschaier:innen, Tschetschen:innen, Ingusch:innen, Meschet:innen, Kurd:innen, Krimtatar:innen, Armenier:innen und weitere ethnische Gruppen.

Besonders stark betroffen waren die rund 1,2 Millionen Sowjetdeutschen, von denen etwa 80 Prozent bereits 1941 zwangsumgesiedelt wurden. Im Jahr 1944 folgte die Deportation nahezu der gesamten tschetschenischen und inguschischen Bevölkerung – rund 387.000 beziehungsweise 91.000 Menschen – sowie weiterer Ethnien aus dem Kaukasus- und Schwarzmeer-raum. In Zentralasien trafen sie auf die bereits zuvor deportierten Deutschen und andere verbannte Bevölkerungsgruppen.

Die traumatischen Erfahrungen von Deportation, Zwangsarbeit und der Stigmatisierung als „Volksfeinde“ wurden aus Angst vor erneuter Verfolgung lange verschwiegen. Dennoch wirkten die erlittenen Verletzungen und Ängste über Generationen hinweg nach. Die Aufarbeitung dieses Kapitels der sowjetischen Geschichte ist noch immer unvollständig. Zugleich sind diese Geschichten in Deutschland bis heute wenig bekannt, obwohl sie einen bedeutenden Teil der heutigen Bevölkerung Deutschlands betreffen. Doch welche Geschichten stecken hinter diesen Erfahrungen (und wie können sie Teil einer vielfältigen Erinnerungskultur werden)?

In unserem Gespräch blicken wir auf das gemeinsame Erinnerungsmotiv der Russlanddeutschen und Tschetschen:innen. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es, beispielsweise in ihren Geschichten, ihrem Umgang mit dem Erlebten und in ihrer Ankunft nach Deutschland? Wie denken sie heute über das Erlebte? Darüber redeten wir am 17. Juli 2026 bei unserem Tresentalk „Deportation, Verlust & Neubeginn. Russlanddeutsche und tschetschenische Geschichte(n) im Gespräch“ in Heidelberg.

Es sprachen:
Marit Cremer, Soziologin und Osteuropaexpertin an der IU Internationale Hochschule in Karlsruhe und
Edwin Warkentin, Kulturreferent für Russlanddeutsche am Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte.
Moderiert von Bettina Kaibach, Slavistin am Slavischen Institut der Universität Heidelberg.

Viel Spaß beim Anhören!

Ihr habt Fragen, Lob, Kritik oder Anmerkungen? Dann meldet euch auch gern per Mail: ostklick@libmod.de. Weitere Infos findet ihr auch auf unserer Webseite: https://www.ost-klick.de/

Vielen Dank an TES e.V. – Trägerverein Emmertsgrunder Stadtteilmanagement und HeidelBERG-Café e.V für die Unterstützung und die Betreuung der Aufnahme. Herzlichen Dank auch an Mosaik Deutschland e.V. und das Kulturreferat für Russlanddeutsche für die tolle Zusammenarbeit!

Die Veranstaltung war eine Kooperation zwischen Mosaik Deutschland e.V., dem Kulturreferat für Russlanddeutsche am Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte und ostklick. Sie war Teil einer fünfteiligen Veranstaltungsreihe, die dank der Förderung durch Bundeszentrale für politische Bildung in diesem Sommer stattfinden konnte. Wir bedanken uns sehr herzlich bei der BpB für die Förderung unseres Projekts "o[s]tklick - tresentalks"!

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